Als Coldplay noch cool waren

Als Coldplay noch cool waren

Dieser Tage wird das Debüt der britischen Band Coldplay 20 Jahre alt. „Parachutes“ galt damals als das erste große Werk einer Band, die aus der Masse der zahlreichen Independent-Band jener Zeit herausstach. Die Begabung von Christ Martin und seinen Mitstreitern sprang einem damals förmlich ins Gesicht.

Ermüdet vom ewigen Kleinkrieg zwischen Oasis und Blur machten sich die Musikfans auf zu neuen Ufern. Sie fanden eine Band, die auf zarte Zwischentöne setzte und ihre Melodien sorgsam und beinahe schwerelos entwickelte. Coldplay hatten schnell den Ruf die nächste ganz große Band Britanniens zu werden. Dieses Versprechen lösten sie auch ein, leider nicht immer auf jenem Niveau, das „Parachutes“ versprach.

Von der Indie-Hoffnung zum U2-Klon

Zuvor hatte bereits die Band Travis den Boden für den Auftritt von Coldplay in der Musikszene aufbereitete. Ihre fragilen aber eindrucksvollen Songs fand im Debüt der Engländer ihre Fortsetzung. Die Kritiker und Fans zeigten sich fast durchwegs begeistert, lediglich einige Unkenrufer wollten in Coldplay eine Kopie von Radiohead sehen. Das sollte sich noch als Fehleinschätzung erweisen, wenn sich Coldplay im Lauf ihrer immer erfolgreicheren Karriere eine Band zum Vorbild nahmen, dann waren es U2. Deren unsäglich aufgeblasener Stationrock, der mit „Achtung Baby“ seinen Anfang nahm, diente auch Chris Martin und seiner Band offenbar als Vorbild. Im Laufe der Jahre klangen die Gitarren immer mehr nach U2. Brian Eno wurde an Bord geholt und ließ die Band noch mehr nach den Iren klingen. Aus einer einzigartigen Gruppe wurde ein verwechselbares Hit-Monster, das seither die Fußballstadien dieser Welt abklappert. Vor 20 Jahren war das alles noch ganz anders.

Hoffnung, Freude und Zuversicht

„Parachutes“ war von Beginn an erfolgreich. Die Platte eroberte die Spitze der britischen Charts, die enthusiastischen Musikkritiker hatten ihre neuen Lieblinge gefunden. Die Euphorie rund um Coldplay war damals durchaus berechtigt. Ganz anders als Band wie Oasis, setzten Coldplay auf Understatement. Sie umschmeichelten ihre kargen Melodien mit ätherischen Gitarren und rückten den schwermütigen Gesang von Christ Martin in den Vordergrund. Die Songs auf „Parachutes“ wirkten beinahe schwerelos, so luftig leicht schwebten sie dahin. Ihre Vorbilder waren deutlich hörbar. Jeff Buckley stand ebenso Pate, wie die Soundexperimente von Radiohead. Im Mittelpunkt der Songs stand ein zentrales Thema, die Hoffnung. Die kleinen und intimen Werke berührten ihre Hörer sofort und im tiefsten Inneren. Demzufolge endet die Platte auch mit einem Mantra: „Everything´s not lost“ singt Chris Martin zutiefst überzeugt und man glaubt es ihm sofort. Die Band predigte Zuversicht und Freude und stach so aus der Gruppe ihrer zahlreichen musikalischen Mitstreiter heraus.

Hoffnung, Freude und Zuversicht
Hoffnung, Freude und Zuversicht

Damals bestand tatsächlich noch Hoffnung, dass sich hier eine Band entwickelt, die den beinahe unmöglichen Spagat zwischen Kunst und Kommerz längerfristig schaffen würde. Das sollte sich leider als trügerische Hoffnung erweisen. Doch wie auch immer sich Coldplay in weiterer Folge entwickelt haben, der verschwenderischen Schönheit von „Parachutes“ tut dies keinen Abbruch. Heute, zwanzig Jahre später, sind Meisterwerke wie „Beautiful World“ und „Yellow“ immer noch unantastbar. In dessen Video ist der Sänger singend am Strand zu sehen. Völlig durchnässt vom Regen strahlt Chris Martin in eine Welt, die Hoffnung benötigt. Dies gilt heute genauso wie damals.